Mittwoch, 26. April 2017

Kristin Hannah - Die Nachtigall | Rezension

Die amerikanische Autorin Kristin Hannah hat einen Roman über den 2. Weltkrieg geschrieben, in dem ein französisches Schwesternpaar im Fokus steht. - Das kann durchaus eine gute Geschichte sein, insofern man trotz der ersten Thematik auch unterhalten werden möchte und noch nicht allzu viele Bücher mit Kriegsthematik gelesen hat. Eine bedingte Empfehlung. 


Die Nachtigall erzählt die Geschichte der Schwestern Vianne und Isabelle, die beide auf ihre eigene Weise versuchen, mit der schwierigen Situation in Frankreich zur Zeit des 2. Weltkriegs umzugehen.
Vianne und ihre jüngere Schwester Isabelle könnten unterschiedlicher kaum sein und haben beide auf ihre Weise unter der familiären Situation gelitten. Dementsprechend unterschiedlich gehen beide nun mit den Schrecken des Krieges um. Während die 18-jährige Isabelle sich am liebsten aktiv mit allen Mitteln gegen die Nazi-Okkupation wehren möchte und auch keine Scheu vor den deutschen Soldaten hat, ist ihre ältere Schwester Vianne viel vorsichtiger und ängstlicher und versucht mit allen Mitteln, so normal wie möglich weiter zu leben und Konflikten aus dem Weg zu gehen. Auch wenn dies bedeutet, den Forderungen der deutschen Soldaten nachzukommen ...



Im Fokus der Geschichte stehen hier eindeutig die beiden Schwestern. Die Nachtigall war für mich eher eine Geschichte über zwei Schwestern vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges als ein Kriegsroman, in dem zwei Schwestern die Hauptrollen spielen. Diese Herangehensweise an sich ist nun nichts Schlechtes und der Erfolg des Romans in den USA - mit mehr als einer Million verkauften Exemplaren - gibt der Autorin wohl auch recht. Allerdings fand ich ihre Recherche ein wenig mager. An manchen Stellen funktioniert die Verwebung von historischen Fakten und erfundenen Charakteren gut, an anderen waren Quellen eher holprig eingebunden. Die Szenen im Konzentrationslager beispielsweise, lasen sich wie eins zu eins aus Recherchematerialien übernommen.




Der Aufbau der Geschichte funktioniert gut, kommt aber nicht ohne Längen aus. Für das Genre ein klassischer Handgriff: die Rahmenerzählung. Hannah nutzt diese aber klug und mit Twist - am Ende ist dem Leser zunächst nicht klar, wer die eigentliche Erzählerin der Rahmenhandlung ist. Kristin Hannahs Schreibstil ist solide und eher zurückhaltend. Leider stellt sie die Gefühle der Charaktere manchmal so plakativ zur Schau, dass sich die intendierte Wirkung bei mir eher ins Gegenteil verkehrte.

Ich fand es spannend, wie meine Sympathien während des Lesens zwischen den beiden Schwestern schwankten und wie mich ihr Verhalten zum Nachdenken brachte. Beide Schwestern haben kluge Momente und treffen dann doch auch wieder unverständliche Entscheidungen. Wie hätte ich mich in den jeweiligen Situationen verhalten?
Mir hat es sehr gefallen, dass Kristin Hannah die Perspektive der Frauen im Krieg einnimmt und die Handlung des Romans auch darauf konzentriert. Die Charaktere der beiden Schwestern waren gut herausgearbeitet, die Glaubwürdigkeit ihrer Handlungen nahm für mich im Laufe der Geschichte jedoch mehr und mehr ab.



Meiner Meinung nach hätte der Roman eine stärkere Wirkung gehabt, wenn der Krieg mehr im Fokus der Ereignisse gestanden hätte. Auch waren die Ereignisse teilweise recht vorhersehbar, sodass für mich die Grundspannung der Geschichte zu schwach war. In der Ausführung ihrer Szenen neigt Kristin Hannah hier und da zum rührselig-kitschigen, was bei mir eher zu einer gegenteiligen Reaktion geführt hat, nämlich, dass mich die Geschichte nicht besonders berühren konnte.

Ein solider historischer Roman mit einprägsamem Titel und auffälligem, ästhetischen Cover (welches aber leider wenig über die Geschichte selbst aussagt) und einer anständigen Karte im Vorsatz. Hannah überzeugt besonders durch ihre Charaktere; Handlungsaufbau und Erzählstil haben mir leider weniger zugesagt. Die Autorin ist Amerikanerin und und das merkt man beim Lesen: Die Nachtigall ist kein Buch über den 2. Weltkrieg, wie man es von europäischen Autoren gewohnt ist. Wer noch nicht viele Bücher über diese Thematik gelesen hat bzw. wer beim Lesen trotz ernsten Themas unterhalten werden möchte, der kann hier durchaus eine interessante Lektüre mitnehmen. Aus genannten Gründen ist Die Nachtigall sonst eher nur bedingt zu empfehlen.



Kristin Hannah - Die Nachtigall
Übersetzt von Karolina Fell
Gebunden mit Schutzumschlag, 608 Seiten
Rütten & Loening | 978-3-352-00885-6 | 19,99 €
Erschienen: 19.09.2016

Kommentare:

  1. Hey :)
    Ich habe auch mitbekommen, dass der Roman einen riesigen Erfolg in den USA hatte, aber so richtig Interesse ist bisher bei mir noch nicht aufgekommen. Deine Rezension ist ja echt ausführlich und ich glaube, dass ich dank ihr in nächster Zeit nicht zu dem Buch greifen werde.
    Die Thematik an sich ist sehr wichtig und die Geschichte klingt auch gut, aber ich habe bereits mehrere Bücher über den zweiten Weltkrieg gelesen und befürchte, dass mich manche Dinge, ähnlich wie dich, stören würden.
    Aber mal sehen, vielleicht leihe ich es mir irgendwo mal aus.
    Liebe Grüße
    Saskia

    Https://elbeundalster.wordpress.com

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  2. Ahoy Cara,

    ich habe heute mal ein bisschen aufgeräumt und nun suchen 94 Bücher (und eine DVD) ein neues Zuhause!

    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2017/08/aussortiert-94-bucher-suchen-ein-neues-zuhause.html

    Ich würde mich über deinen Besuch freuen, vielleicht ist ja etwas für dich dabei? Einige Bücher verkaufe/ tausche ich, manche verschenke ich gegen Porto ;)

    Liebe Grüße, Mary <3

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